Isenthal – wo d’Schwiiz no richtig Schwiiz isch
14. + 22. Juli 2026
Wenn einer sagt, Petrus habe es gut gemeint, dann war er an diesen beiden Reisetagen bestimmt unser Reiseleiter. Bei strahlendem Sonnenschein tuckerte unser Car Richtung Luzern und weiter nach Seelisberg. Bereits unterwegs wurde geplaudert, gelacht und über alles Mögliche diskutiert – ausser über das Wetter. Das war nämlich völlig unverdächtig.
Im Hotel Bellevue wartete der Kaffee und das Gipfeli, diesmal in verkleinerter Form. Aber Hand aufs Herz: Die Aussicht stahl dem fast die Show. Tief unten funkelte der Vierwaldstättersee, und ringsum thronte die Bergwelt. Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir die Bergstation der Standseilbahn Seelisberg–Treib. Ein sympathischer Bahnmitarbeiter erzählte uns allerlei Spannendes über die Bahn. Seit 1916 verbindet sie Seelisberg mit Treib und überwindet auf knapp anderthalb Kilometern stolze 370 Höhenmeter. Früher war sie die Lebensader des Dorfes, heute bringt sie vor allem Touristen und gut gelaunte Vereinsreisende sicher ins Tal. Manche staunten über die Steigung, andere kontrollierten vorsichtshalber, ob sie noch gut auf dem Bänkli sassen.
In Treib wartete bereits die ehrwürdige «Uri» auf uns. Der stolze Raddampfer wurde 1901 gebaut und schippert seit über 125 Jahren über den Vierwaldstättersee. Man könnte fast meinen, er fahre extra langsam, damit alle genügende Zeit haben, die Aussicht zu geniessen – oder um noch schnell ein zweites Foto zu machen. Dort wurde erst einmal das gemacht, was reisefreudige Vereinsmitglieder besonders gut können: den Flüssigkeitshaushalt pflegen. Ob mit einem Apéro oder einer kühlen Erfrischung – schliesslich soll niemand auf halber Strecke vertrocknen, bevor der nächste Programmpunkt beginnt. Einige behaupteten zwar, sie tränken nur aus medizinischen Gründen. Daran zweifelte selbstverständlich Niemand. Gemütlich dampften wir vorbei am Rütli, wo der Legende nach 1291 die Eidgenossenschaft ihren Anfang nahm. Vieles hat sich seither verändert – nur eines nicht: Gemütlichkeit in guter Gesellschaft. Weiter ging die Fahrt vorbei an Bauen bis nach Isleten.
Nun wurde es etwas enger. Mit einem Spezialbus ging es hinauf nach Isenthal. Die Strasse war so schmal, dass man stellenweise meinte, die Aussenspiegel würden sich gegenseitig Grüezi sagen. Unser Chauffeur meisterte jede Kurve mit einer Ruhe, als fahre er täglich mit verbundenen Augen hier hoch. Keine Sorge –dies tat er natürlich nicht. Im Hotel Uri-Rotstock wurden wir musikalisch empfangen. So etwas erlebt man nicht alle Tage. Hier spielt der Wirt nicht nur den Gastgeber, sondern gleich auch noch den Alleinunterhalter. Das Mittagessen liess keine Wünsche offen. Ein knackiger grüner Salat, ein herrlicher Braten mit Kartoffelgratin – so fein, dass für einmal sogar die Unterhaltung am Tisch kurz verstummte. Und weil Wasser bekanntlich nur die Fische glücklich macht, durfte ein gutes Glas Wein selbstverständlich nicht fehlen.
Nach dem Essen führte uns Wirt Rudi mit viel Herzblut durch «Sein» Isenthal. Seine Geschichten waren mindestens so unterhaltsam wie lehrreich. Man merkte rasch: Hier kennt jeder jeden – und wahrscheinlich auch noch dessen Grosseltern. Zurück im Uri-Rotstock wartete ein feines Dessert mit Kaffee, bevor Rudi nochmals zu Handorgel griff. Es wurde geschunkelt, mitgesummt und herzlich gelacht. Manch einer hätte wohl noch eine Stunde länger bleiben mögen – spätestens bis zum Zvieri. Schliesslich hiess es Abschied nehmen. Mit dem Spezialbus ging es zurück nach Isleten und anschliessend über die eindrückliche Axenstrasse Richtung Heimat. Über das Freiamt erreichten wir schliesslich wieder unsere Einstiegsorte.
Im Car war der Tenor eindeutig: Das war eine Super-Reise, ganz nach unserem Gusto. Schönes Wetter, eindrückliche Landschaften, feines Essen, spannende Geschichten, Musik und vor allem gute Kameradschaft. Genauso mögen wir es – gemütlich, unkompliziert und mit viel Herz.
Und zum Schluss bleibt nur noch eines festzuhalten: Älter werden wir zwar alle. Aber solange wir gemeinsam unterwegs sind, lachen können und nach jeder Reise sagen: «Das isch wieder öppis gsi!», sind die Jahrgänge nichts weiter als Zahlen – höchstens solche, die man auf einer guten Weinflasche gerne sieht.
Veronika Saxer
Vorstandmitglied







