Elsasstour und Schiffshebewerk
12. + 17. Juni 2026
Frühmorgens startete unsere gut gelaunte Reisegesellschaft Richtung Rheinfelden und überquerte bald die Grenze nach Frankreich. Erster Halt war in Ostheim, im gemütlichen «Au nid de Cigognes» – auf Deutsch «Storchennest». Der Name passte bestens, denn im Elsass gehören die Störche fast so selbstverständlich zum Landschaftsbild wie der Wein zu einem guten Essen. Bei Kaffee und frischen Gipfeli wurden die Lebensgeister geweckt und die ersten Neuigkeiten ausgetauscht. Ostheim hat jedoch nicht nur eine idyllische Seite. Die Stadt wurde während der Kämpfe des Zweiten Weltkriegs schwer zerstört. Das Denkmal für die Verstorbenen erinnert noch heute an die schweren Zeiten und mahnt, Frieden und Freiheit nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten. Weiter führte uns die Reise weiter durch das Elsass, oft auch als «Tor zu den Vogesen» bezeichnet. Über den sanften Hügeln grüsst majestätisch die Königsburg. Die eindrucksvolle Burganlage thront seit Jahrhunderten über der Rheinebene und zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region. Das Elsass ist ein wahres Paradies für Burgenfreunde: Rund 450 Burgen, Schlösser und Festungen sollen hier stehen oder gestanden haben, davon sind beinahe 80 frei zugänglich.
Zur Mittagszeit erreichten wir Saverne am Ufer des Canal de la Marne au Rhin. Das typische Elsässer Mittagessen entsprach zwar nicht ganz den hochfliegenden Erwartungen mancher Feinschmecker, doch bei einem guten Glas Wein wurde rasch festgestellt: Gemütlichkeit und gute Gesellschaft sind oft die beste Würze. So wurden Zufriedenheit, Geschichten und manche Anekdote ausgetauscht, bis die Teller leer und die Gläser beinahe leer waren. Ein kurzer Spaziergang führte uns anschliessend zum Schloss von Saverne und durch die belebte Hauptgasse. Die Stadt blickt auf eine lange Geschichte zurück und war einst Residenz der Fürstbischöfe von Strassburg. Heute verbindet sie historischen Charme mit elsässischer Lebensart.
Der eigentliche Höhepunkt des Tages erwartete uns in Saint-Louis/Arzviller. Bereits beim ersten Anblick wurde klar: Hier trifft Ingenieurkunst auf Erfindergeist. Das Schiffshebewerk gehört zum Rhein-Marne-Kanal und gilt als eines der bedeutendsten technischen Bauwerke seiner Art in Europa. Bei einer Rundfahrt mit dem Schiff erlebten wir hautnah, wie der berühmte Schrägaufzug funktioniert. Seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 1969 ersetzt er nicht weniger als 17 Schleusen zwischen Saint-Louis und Arzviller. Was früher für die Schifffahrt einen ganzen Tag beanspruchte, wird heute in gerade einmal vier Minuten bewältigt. Dabei überwindet der Aufzug einen Höhenunterschied von beeindruckenden 44,5 Metern. Für viele war es ein besonderes Erlebnis, mit dem Schiff im riesigen Wassertrog Platz zu nehmen und anschliessend scheinbar mühelos den Hang hinaufgezogen zu werden. Ein etwas ungewohntes Gefühl – schliesslich sitzt man nicht jeden Tag in einem schwimmenden Lift. Staunend fragten sich manche, auf welche Ideen die Menschen kommen, wenn es darum geht, Hindernisse möglichst effizient zu überwinden.
So kehrten wir mit vielen neuen Eindrücken nach Hause zurück. Und falls jemand fragt, was wir erlebt haben: Wir tranken Kaffee im Storchennest, fuhren durchs Land der Burgen und Weinberge und liessen uns zum Schluss samt Schiff den Berg hinaufziehen – gewöhnlich geht definitiv anders.
Veronika Saxer
Vorstandmitglied







